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Bürgermeister macht Kleinstadt zum Wachstumskern der Region

16.11.1999 11:15

 

"Vor mehr als zehn Jahren dachten die Leute, Baesweiler sei nur Endstation einer Buslinie", erinnert sich Dr. Willi Linkens, inzwischen Bürgermeister der Mittelstadt. Heute ist das anders. Der ehemalige Zechenstandort, gesprochen "Baasweiler", mit knapp 30.000 Einwohnern gilt als Motor des Strukturwandels im nördlichen Kreis Aachen. Wachstumskern ist das ITS - das Internationale Technologie- und Servicezentrum der Stadt. In dieses Gebäude zogen 1989 die ersten jungen Unternehmen. Linkens, seines Zeichens promovierter Jurist, erinnert sich. Zu Beginn seiner Amtszeit als Stadtdirektor organisierte er Bustouren von der Technischen Hochschule in Aachen in das 15 Kilometer entfernte Baesweiler, um Standortsuchenden sein Städtchen und das ITS am Arnold-Sommerfeld-Ring zu präsentieren. Das Ergebnis war anfangs ernüchternd. Kaum jemand interessierte sich für den Ort zwischen schwarzen Abraumhalden und grünen Wiesen.

 

Die Zeiten ändern sich. "Heute ist das ITS wie ein Treibhaus", sagt Dr. Linkens: "Hier wachsen Unternehmen wie zarte Pflänzchen heran. Sind sie größer und benötigen mehr Fläche, verlassen sie das Gebäude." Meist siedeln sie sich im Umland an. Rund 2000 Arbeitsplätze hat der ehemalige Richter am Landgericht Aachen auf diesem Wege geschaffen. Die Wachstumsbedingungen sind optimal: niedrige Mietpreise (11 Mark für den Quadratmeter Bürofläche zuzüglich Nebenkosten), Top-Infrastruktur und kurze Wege zur Verwaltung. Speziell zum damaligen Stadtdirektor und jetzigen Bürgermeister, der sein Ohr nicht nur am Puls der Zeit hat, sondern sofort reagiert: So legte die Europäische Union Anfang der 90er Jahren ein Beschäftigungsförderungsprogramm mit attraktiven Konditionen auf, das wie fast alle Brüsseler Initiativen einen kleinen Nachteil besaß: Experten, die EU-Vorschriften interpretieren können, sind in mittelständischen Unternehmen eher dünn gesät. Jurist Linkens selbst nahm sich daher der Angelegenheit an. Von den Mitarbeitern der Stadtverwaltung ließ er Förderanträge en masse ausfüllen und allen Firmeninhabern in der Stadt vorlegen. Diese brauchten nur zu unterschreiben, 200 neue Arbeitsplätze entstanden.

 

Eines der vielen Unternehmen, das unmittelbar von Willi Linkens' Engagement profitierte, ist die "chemagen AG", vom Düsseldorfer "Handelsblatt" bereits kurz nach Firmengründung als potentieller Börsenkandidat gefeiert. Mit der Produktion von magnetischen Polymerträgern ist das Unternehmen auf einem Teilgebiet der Biochemie hoch spezialisiert. Die mikroskopisch kleinen Partikel, die mit einem individuellen chemischen Schlüssel versehen werden können, koppeln sich fest an zuvor definierte Substanzen an. Wird ein Magnet aktiviert, wandern Partikel und angedockte Moleküle zu einem gewünschten Punkt und können ausgesondert werden. "Magnetische Separation" - lautet der Fachbegriff. "Ein Verfahren, das bei der Reinigung schwermetallverseuchter Abwässer oder in der Medizin zum Einsatz kommen wird", führt "chemagen"-Vorstand Dr. Lothar à Brassard aus. Der Chemiker, der mit seinem Partner Dr. Detlef Müller-Schulte 1998 als Sieger des Landes Nordrhein-Westfalen beim bundesweiten "Startup-`97"-Businessplan-Wettbewerbs geehrt wurde, begann seine Forschungsarbeit am Institut für Anorganische Chemie der RWTH Aachen. Auf der Suche nach größeren, modernen Laborräumen, nahm er mit Willi Linkens Kontakt auf. Der packte die Sache sofort an. Linkens, damals noch Stadtdirektor, reservierte die Räume. Seit Februar 1999 ist "chemagen" in Baesweiler. NRW-Wirtschaftsminister Peer Steinbrück kam zur Firmeneinweihung.

Die Firma "chemagen" ist nur ein Beispiel. Das Wachstum in Baesweiler geht ungebremst weiter, verspricht Linkens, mit 92 Prozent der Stimmen aller wahlberechtigten Bürger am Ort - Rekord in Nordrhein-Westfalen - jüngst zum Stadtoberhaupt gewählt. In nicht allzu ferner Zukunft werden zwei weitere Gewerbegebietsabschnitte mit Gründerinfrastruktur entstehen. Arbeitsplatz Nummer 3000 rückt somit in überschaubare Nähe. Aber schon jetzt liegt der Beschäftigungsgrad in Baesweiler auf dem gleichen Niveau wie in der Blütezeit des Steinkohlenbergbaus.

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