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Gründerkolleg startet an Aachener Uni mit unkoventionellem Ansatz

16.11.1999 11:19

Rüdiger von Nitzsch hängt nicht an Konventionen. "Denn wer zu sehr an altem und bewährtem festhält, verpasst Chancen für innovative Geschäftsideen", sagt er. Der 39jährige ist Professor im Lehr- und Forschungsgebiet Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der RWTH Aachen und hat die Leitung des im Wintersemester 1999/2000 ins Leben gerufenen Gründerkollegs an der Hochschule übernommen. Neben der fachlichen Ausbildung der Studierenden steht für ihn im Rahmen der Inititative "GründerRegion Aachen" ein anderes Ziel im Mittelpunkt. Er will die Studenten dazu bewegen, ihr kreatives Potenzial und ihre wissenschaftlichen Fähigkeiten intensiv zu nutzen - als Existenzgründer. "Wichtig ist mir, dass die jungen Leute ihre eigenen Kompetenzen erkennen und damit umgehen können", hält er fest. Um das zuweilen ermattete Publikum im Hörsaal zu motivieren, setzt der unkonventionelle Ökonom stark auf Gastvorträge. Markus Koch, agiler Moderator beim Berliner Wirtschaftskanal n-tv, oder die Gründer des Internet-Auktionshauses Alando, inzwischen von "e bay" übernommen, sollen im laufenden Semester dem Auditorium Selfmade-Rezepte präsentieren und signalisieren, dass Business hip ist. Von Nitzsch schickt jedoch nicht nur erfolgreiche Youngsters von draußen an die rhetorische Front. Der umtriebige Dozent geht selbst mit bestem Beispiel voran. Vor kurzem hat er eine Aktiengesellschaft, die für Banken im Internetgeschäft arbeitet, gegründet. Einer seiner Assistenten ist Vorstandsvorsitzender, ein anderer Finanzchef, von Nitzsch selbst sitzt im Aufsichtsrat.

Vorlesungen zu Themen wie Marketing, Finanzmanagement, Kostenrechnung und Recht - stark auf die Bedürfnisse von Existenzgründern zugeschnitten - sind jedoch die eigentliche Basis des Gründerkollegs. Für hartgesottene Jungunternehmer in spe bietet das Kolleg darüber hinaus ein sogenanntes "Gründertraining". In einer siebentägigen Kompaktveranstaltung lernen Studenten aller Fachrichtungen jenes kaufmännische Einmaleins, das sie letztlich zu einer erfolgreichen Existenzgründung benötigen. Am Ende steht die Erstellung eines Businessplans, möglichst auf der Grundlage der eigenen Geschäftsidee. Mühe und Engagement wird durch ein Zertifikat belohnt, das den Zugang zu Förderfonds der Sparkasse oder Venture Capital erleichtern soll. Auch wer am Ende nicht gründen kann, ist durch das Zertifikat nicht schlecht bedient, belegt die Din-A-4-Urkunde zweifelsohne unternehmerische Kompetenz. Nicht unwichtig in Zeiten, da manch Unternehmen auf das Outsourcing ganzer Produktionszweige setzt.

Die Entwicklung von persönlichen Profilen soll im Rahmen des intensiven Gründercoachings den Schritt von der Uni in die Selbständigkeit weiter erleichtern. Zentrales Element sind Expertengespräche, in denen der Gründer Defizite erkennt und lernt, Strategien zu entwerfen, diese zu beheben: im kaufmännischen und vor allem im psychologischen Bereich. Denn: Letztlich nimmt die charakterliche Disposition des Unternehmers erheblichen Einfluss auf Erfolg oder Misserfolg seiner Firma. Oder salopp ausgedrückt: wer eher verschlossen ist, sollte es sich zweimal überlegen, ob er der richtige Typ ist, ein Produkt an den Mann zu bringen oder Personal zu führen.

Damit man im Gründerkolleg, gefördert durch die Industrie- und Handelskammer zu Aachen, die Sparkasse Aachen sowie die Kreissparkasse Heinsberg, mit der Themenauswahl nicht munter an Interessen und Erwartungen der Studenten vorbei doziert und diskutiert, gibt es zum Semesterauftakt eine Umfrage. Angesprochen sind nicht nur potentielle Existenzgründer. Rüdiger von Nitzsch sieht in den Studenten Kunden, die ein Produkt mögen oder nicht mögen und will sich der Herausforderung des Marktes stellen. Denn der entscheidet, ob das Kolleg ein Erfolg wird oder floppt. Doch vorher krempelt der Wirtschaftsprofessor und Börsenspezialist erst einmal die Ärmel hoch. Die Krawatte hat er ohnehin daheim gelassen.

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